Die Naturschutzjugend (NAJU)

„Hautnah“ – eine neue NAJU - Kindergruppe entsteht!

 

Im September traf sich zum ersten Mal eine Kindergruppe der NABU – Ortsgruppe Hainburg. Eine Interessenabfrage im ersten Jahrgang der Grundschule in Klein-Krotzenburg vor den Sommerferien und eine Infoveranstaltung für Eltern ergab genügend interessierte Kinder und Eltern, die bereit waren, Mitglied im NABU zu werden und zweimal im Monat etwa 3 Stunden Zeit am Samstag zu investieren.

 

Was bewegt sie dazu? „Fridays for Future?“

Vermutlich haben die Kinder ihren Eltern schon früh ihr Interesse, ihre Neugier und Liebe zu Tieren, Pflanzen, Wasser,Luft und Erde gezeigt, wann immer sie draußen waren.

Oder war es andersherum? Haben die Eltern ihren Kindern die Lust und Liebe an der Natur vorgelebt?

Jetzt jedenfalls bietet sich die Möglichkeit, die Verbindungen zur Natur weiter zu vertiefen und ihr regelmäßig hautnah mit allen Sinnen zu begegnen.
Die ersten Treffen mit etwa 10 Kindern im Alter von 7/8 Jahren fanden auf verschiedenen Streuobstwiesen statt, wo Baumbegegnungen, Tierentdeckungen, Äpfel sammeln und -keltern sowie Wahrnehmungsspiele auf dem Programm standen. Auch gemeinsames Singen als Anfangsritual und das Danken sind fester Bestandteil eines Nachmittags. Die jahreszeitlichen Bedingungen beeinflussen die Treffen natürlich. Bei regnerischem und kaltem Wetter versammelt sich die Gruppe im Vereinsheim an der Eisenbahnstraße und widmet sich dem Basteln von
Futterstationen, Insektenhotels oder Kürbisschnitzen.

 

Leitung: Birgit Riegelmann, Wildnispädagogin

Email:  baw.riegelmann@web.de


NAJU - Treffen am 12.11.2022

Noch einmal treffen wir uns um 14 Uhr am Insektenturm. 10 Kinder sind angemeldet, und bevor wir überhaupt angefangen haben, hat das erste Kind schon etwas Rotes entdeckt, das aussieht wie ein Tintenfisch. Auf  dem Waldboden. Mit der obsidentify-App schnell ein Foto gemacht und das Ding bestimmt als Tintenfischpilz. Er ist ungiftig, aber ungenießbar. Er riecht, um nicht zu sagen „stinkt“, nach Aas.
Weiter geht es auf eine kleine Lichtung. Hier lassen wir uns um unsere Decke herum nieder, danken für das Zusammensein und allen Menschen, die dafür gesorgt haben, dass wir uns treffen können, danken für die gute Luft, das trockene Wetter und der Natur, dass wir bei ihr zu Gast sein dürfen. Wir singen gemeinsam und tauschen Naturerlebnisse aus. Da kommt einiges zusammen: Katzen, Igel, Vögel, Zaunkönig, Grünspecht …


Dann stelle ich das Thema vor: Bauen einer Laubhütte. Wozu ist das gut? Es ist eine Möglichkeit, sich vor einem Sturm mit Gewitter zu schützen. Man kann trocken und warm bleiben und gerät weniger schnell in Lebensgefahr. Es ist Folgendes zu tun: suche und finde mit deinem Team einen sicheren Platz für die Laubhütte. Sie darf  nur unter jungen Bäumen stehen, möglichst ohne Äste oben drüber. Da könnte beim Sturm ein Ast abbrechen und auf  
die Hütte fallen.
Es werden 2 Stöcke mit Gabeln gebraucht. Sie werden gegeneinander gelehnt und die Gabeln ineinander gesteckt. Jetzt wird abgemessen, wie lang der Ast sein muss, der den First bildet. Das größte Kind wird als Maßstab genommen. Schnell ist ein Ast gefunden. Nun werden Äste für die Seiten gesucht, gekürzt oder für zu dick befunden. Es ist eine anstrengende Arbeit, doch zu fünft geht es ganz schön flott, und eine Seite ist bald fertig
geschlossen. Wer beim Äste suchen die Lust verliert oder es zu anstrengend findet, fängt an Laub zu sammeln, das auf  die Seiten gelegt wird. Die Kinder staunen, dass das hält…
Eigentlich brauchen wir noch ganz viel Laub für den Innenausbau - aber dafür reicht die Zeit nicht mehr. Die ersten Mutigen legen sich in die Laubhütte:

„Ui, das ist ja ganz dunkel hier drin!“

„Es ist ja warm hier drinne!“

Von innen sieht man auch, wo noch Löcher sind. Die werden ausgebessert. Dann kommt der spannende Moment: ist die Hütte stabil genug? Ein Kind steigt am Fußende auf  den First und balanciert nach vorne. Es hält! Große Freude und Staunen! Auch der Regentest wird durchgeführt: Wasser wird über der Laubhütte ausgeschüttet. Kommt davon viel in den Innenraum? Nein, es sind nur ein paar Tröpfchen.
Die Kinder staunen und sind zufrieden, was sie geschafft haben. Es fällt ihnen schwer, alles wieder abzubauen und dem Wald zurückzugeben. Eines hat die Idee, einen Totholzhaufen daraus zu machen, damit Tiere ihn noch nutzen können.  
Zum Schluss spielen wir noch den „drumwalk“. Dabei lernen die Kinder, sich blind nach einem Trommelschlag zu orientieren, um wieder zum Ausgangspunkt zurückzukehren.  
Ein eindrucksvoller Nachmittag geht zu Ende. Die abholenden Eltern sind wieder pünktlich zur Stelle.


NAJU-Kelterfest 2022

Am 17. September jährte sich das erste NAJU-Treffen, und wie im letzten Jahr auch verarbeiteten wir Äpfel. Am Tag zuvor war bereits eine kleine Gruppe unterwegs auf den NABU-Streuobstwiesen und sammelte einige Kilo Äpfel. Schon dabei probierten die Kinder, wie sie schmeckten.
Sauer, manche weniger, manche richtig süß. An den unten liegenden Äpfeln entdeckten die Kinder verschiedene Fraßspuren und rätselten, wer das wohl gewesen sein könnte…
Im Hänger breitete sich schnell ein köstlicher Duft nach Apfelsaft aus.

Um 14 Uhr sind 12 Kinder pünktlich da und helfen, Tische und Stühle aufzustellen. Die Pressmaschine, der Häcksler und das Fass für den Saft werden im Zelt platziert. Dankeritual und Gesang werden wie immer an unserem Platz zu Beginn absolviert. Dann geht es gleich an die Arbeit: einige schneiden Äpfel in kleine Stückchen für den Apple crumble, andere basteln Wildbienenbehausungen, die nächsten waschen die Äpfel, befördern sie in den Häcksler und drehen die Pressmaschine. Manfred weist alle mit seiner angenehmen Ruhe und Gelassenheit in die Gefahren und Handhabung ein.
Einige Väter sind mit von der Partie und helfen, indem sie faule Stellen an den Äpfeln wegschneiden oder die Äpfel von ganz hinten aus dem Hänger nach vorne befördern. Natürlich wird auch die Presse gedreht…

3 Kinder werden für ihre 1-jährige Treue mit der NAJU-Kappe geehrt und ernten dafür den Applaus aller Anwesenden. Stolz wird sie gleich aufgesetzt und den Rest des Nachmittags getragen.

Alle füllen sich nach dem Genuss des Apple crumble noch den „Süßen“ in die mitgebrachten Flaschen. Stolz wird das Produkt gezeigt und erzählt, wer alles davon etwas abbekommt. Ein intensiver Apfelgenusstag geht um 17 Uhr zu Ende. „Den Apple crumble und die NAJU-Kappe werde ich mein ganzes Leben nicht vergessen!“ (Phil)


Ein Jahr NAJU-Kindergruppe

Als Dank für ihre Treue erhielten die NAJU-Kinder, die seit September 2021 zu den NAJU-Treffen kommen, am 3. September 2022 eine NAJU-Kappe. Sie waren mächtig überrascht und dankbar. Die restlichen 6 Kinder werden bei einem der nächsten Treffen geehrt.

Foto: NABU/Birgit Riegelmann
Foto: NABU/Birgit Riegelmann


NA(H)JU-Treffen am 26.3.2022

11 Kinder stapfen in Gummistiefeln und mit Keschern ausgestattet bei warmen 18° vom Tannenhof in Richtung Froschhäuser Wiesen. Auf einer Waldlichtung bereiten Biggi, Gabi und Manfred den Lagerplatz vor. Die Kinder finden ihren Platz auf dem Boden und packen gleich Essen und Getränke aus. Das Anfangslied wird gesungen und eine kurze Dankesrunde gestartet, die das Wetter, die Menschen und die Tiere (besonders die zwitschernden Vögel) einschließt.

Gleich neben dem Lagerplatz wird der erste Frosch entdeckt, als die Kinder die Aufgabe bekommen, die Gegend zu scannen nach Anzeichen, wo denn Wasser sein könnte, in dem man keschern kann. Anhand des Geländes und seiner Pflanzen („da geht es so runter…“ - „da ist es viel grüner!“) haben sie die Tümpel schnell entdeckt. Eine gute Stunde sind alle mit Keschern beschäftigt und fasziniert von dem Getümmel kleinster Lebewesen: Zuckmückenlarven, Kiemenfußkrebse und Köcherfliegenlarven, auch ein Wasserkäfer wurde gefangen. In weiße Schalen bugsiert können sie ausgiebig beobachtet werden und ins Naturtagebuch gezeichnet werden.

Nach einem ausgiebigen Picknick wird die Umgebung untersucht und bespielt: umgekippte Bäume und ihre Wurzeln werden untersucht, Höhlen entdeckt und nach möglichen Bewohner gesucht. Spuren werden gefunden und gerätselt, welches Tier es gewesen sein könnte.

Bei der Abschlussrunde mit den abholenden Eltern wird dem Wald, den Tieren und den Menschen gedankt, die diesen spannenden Nachmittag möglich gemacht haben.

 

Birgit Riegelmann


Keschern in der Lehmkuhle Hainstadt am 12.3.2022

Waldparkplatz am Katzenbuckel, 14 Uhr:

Fast alle Kinder sind mit Matschhosen, Gummistiefeln, Keschern und Rucksäcken ausgestattet, in denen sich Becherlupen und Proviant für die nächsten drei Stunden befinden.

Die Lehmkuhle ist das Ziel: Abbaugebiet der Ziegelei in Hainstadt. An einer Stelle besteht seit Jahrzehnten ein kleiner Tümpel, in dem jedes Jahr Frösche ablaichen. Er ist leicht zugänglich. Birgit Riegelmann, Leiterin der NAJU-Gruppe „Hautnah“, hat noch zwei Wasserforschersets dabei, in denen sich u.a. weiße Schalen befinden. Die werden später für das Beobachten der „Fänge“ benutzt.

Nach dem Anfangsritual flitzen die Kinder in Richtung Tümpel, um nach Laichballen zu schauen. Nach kurzer Zeit werden die ersten gesichtet. Schon sind einige Gummistiefel vollgelaufen. Das Erstaunen über das Gewicht eines Ballens ist groß – und die Konsistenz sorgt für „IIIH“- Ausrufe. Die kleinen schwarzen Kugeln, die Eier des Grasfrosches, sind eingehüllt in den Dotter, der gut zu erkennen ist. „Wie viele sind es wohl?“ Keiner wagt sich ans Zählen – zu viele! Schätzen? „Hunderte – vielleicht Tausend?“

Das Umfüllen der wabbeligen Masse aus den Keschern in die weiße Schale ist gar nicht so einfach – Erwachsene helfen dabei, fassen vorsichtig in den Laichballen und bugsieren ihn hinein. „Darf ich auch mal anfassen?“ Einige Mädchen verlieren ihre Scheu, stupsen vorsichtig mit einem Finger den Laichballen an. „Oh, ganz kalt und glatt!“ Später wird die ganze Hand benutzt. Gleich danach wird der ganze Laichballen vorsichtig und respektvoll wieder in den Tümpel zurück gesetzt, mit guten Wünschen für eine feuchte Entwicklung – „es soll bald wieder regnen!“

Das Essen und Trinken – sonst so wichtig – verliert an Bedeutung...die Kinder erkunden die Umgebung und finden Schlammlöcher und Furchen mit Spinnen und Insekten. Auch sie werden in den Becherlupen eingehend betrachtet und später wieder in ihr „Zuhause“ entlassen. Die beobachteten Tiere und Pflanzen werden in das Naturtagebuch gezeichnet.

In der Schlussrunde danken die Kinder den Tieren, die sich gezeigt haben, dem Huflattich, der schon so schön gelb blüht und dem trockenen Wetter. Dem Wunsch, hier nochmal herzukommen, wenn sich die Larven in den Eiern weiter entwickelt haben, werden wir gerne nachkommen.

 

Birgit Riegelmann

 


Kürbisschnitzen

Am 30. Oktober 2021 haben die Kinder fleißig an ihren Halloween-Kürbissen geschnitzt, die Alexander Wurbs (Gemüsehof Wurbs) gespendet hatte. Aus dem Fruchtfleisch wurde eine köstliche Suppe gekocht, die zur Stärkung nach der Arbeit sehr willkommen war.

Foto: NABU/Manfred Gutermuth
Foto: NABU/Manfred Gutermuth
Foto: NABU/Manfred Gutermuth
Foto: NABU/Manfred Gutermuth